Unkonventionelle Sicht auf die Geschichte: Tapeten und Stoffe von Blackpop

Für einen Auf­tritt auf dem roten Tep­pich muss sich Maxi­ne Hall nicht mit Pro­mis umge­ben. Sie geht daheim ein­fach die mit einem knall­ro­ten Modell beleg­te Trep­pe hoch. Noch spek­ta­ku­lä­rer ist hier jedoch die Wand­ge­stal­tung: Als eine „Punk-Ver­si­on klas­si­scher Moti­ve“ bezeich­net die bri­ti­sche Desi­gne­rin ihre Ent­wür­fe. Ein Haus­be­such im eng­li­schen Derby.

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Tapete à la Hieronymus Bosch

Mit Abstand betrach­tet wirkt das Motiv abs­trakt modern. Bei nähe­rer Betrach­tung jedoch bestim­men zwei sit­zen­de asia­ti­sche Gelehr­te, die über zwei zwi­schen ihnen auf­ra­gen­den sia­me­si­schen Hüh­ner­köp­fen sin­nie­ren, das sich viel­fach wie­der­ho­len­de Haupt­mo­tiv. Dar­über tau­chen Gebil­de auf, in denen Nicht­me­di­zi­ner gebleich­te Becken­kno­chen oder eine Art Skulp­tur ver­mu­ten mögen. Insek­ten und wei­te­res Krab­belge­tier kom­plet­tie­ren ein Sze­na­rio, das allein schon auf­grund sei­nes dunk­len Fonds Asso­zia­tio­nen mit Gemäl­den von Hie­ro­ny­mus Bosch wachruft.

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Maxine Hall entdeckte das digitale Design für sich

Ich nen­ne es eine Punk-Ver­si­on der Geschich­te,“ erklärt Maxi­ne Hall, die das Poten­zi­al digi­ta­len Designs bereits zu Stu­di­en­zeit fas­zi­nier­te. In den 80er Jah­ren beleg­te Maxi­ne Foto­gra­fie an der Uni­ver­si­tät in West­mins­ter und zähl­te zu den ers­ten Stu­den­ten, die sich auf digi­ta­le Bil­der spezialisierten.

Nach dem Stu­di­um unter­rich­te­te die uner­müd­lich Krea­ti­ve an der Uni­ver­si­tät und arbei­te­te lan­ge als frei­schaf­fen­de Künst­le­rin, bevor sie den Schritt in die Ein­rich­tung wag­te und 2012 ihr Label Black­pop grün­de­te: „Ich habe schon immer digi­tal gear­bei­tet, Gra­fi­ken und Foto­gra­fie gemixt. Bis ich den Ein­fall hat­te, dass Tape­ten und Stof­fe eigent­lich der per­fek­te Unter­grund für mei­ne Dessins sind.“

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Wandgestaltung mit Röntgenaufnahmen

Vor allem Ein­rich­ter von Restau­rants und Shops ent­deck­ten die unge­wöhn­li­chen Designs von Black­pop schon bald für die Wand­ge­stal­tung ihrer Räum­lich­kei­ten. Dann wur­de auch die Natio­nal Por­trait Gal­le­ry in Lon­don auf Maxi­nes Arbeit auf­merk­sam und schlug eine Koope­ra­ti­on vor. Wer jedoch denkt, dass die­se sich ledig­lich die alten Gemäl­de vor­nahm, liegt falsch. Sie stürz­te sich auf deren Rönt­gen­bil­der und ent­wi­ckel­te 2015 die von Tudor-Gemäl­den inspi­rier­te und inzwi­schen preis­ge­krön­te Kol­lek­ti­on „Tudors Deconstructed“.

Zum Hin­ter­grund: Vie­le Maler ver­wen­de­ten ihre Lein­wän­de in der Ver­gan­gen­heit mehr­mals und über­mal­ten ein­fach das zuvor gewähl­te Motiv. Die­se macht eine Rönt­gen­auf­nah­me wie­der sicht­bar. Auch kann man auf ihnen erken­nen, wel­che Stel­len even­tu­ell bereits restau­riert wur­den, da Farb­pig­men­te unter­schied­li­cher Jahr­hun­der­te im Rönt­gen­bild auch ver­schie­den aussehen.

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Ganzheitlicher Stil- und Epochenmix

Jede Kol­lek­ti­on ent­steht in Mari­nes Stu­dio im Dach­ge­schoss ihres Hau­ses, das sie vor 17 Jah­ren mit ihrer Part­ne­rin Pau­la Moss kauf­te – ihres Zei­chens Künst­le­rin und Stu­dio­lei­te­rin von Black­pop. Wann immer es das Bud­get erlaub­te, möbel­ten sie Zim­mer für Zim­mer in der ihnen eige­nen Art auf: Tep­pich­bö­den wur­den durch Holz­die­len ersetzt, zu Midcen­tu­ry-Leuch­ten eine von goti­schen Glas­fens­tern inspi­rier­te Farb­pa­let­te gewählt und blei­ver­glas­te Fens­ter­ein­sät­ze, wie bei­spiels­wei­se an der Haus­tür, mit abs­trak­ten Gemäl­den ver­se­hen. Das Ergeb­nis: ein Edgar-All­an Poe-meets-Jack­son Pollock-Effekt.

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Auch für die Küche kamen natür­lich kei­ne kon­ven­tio­nel­len Hän­ge­schrän­ke infra­ge. Lie­ber stat­te­ten die bei­den sie wie in ihrem spa­ni­schen Land­haus mit offe­nen Rega­len aus. Die Arbeits­flä­che wur­de mit robus­ten Boden­flie­sen belegt. Die Wän­de im offen anschlie­ßen­den Ess­be­reich zei­gen eine Tape­te, deren Motiv von einem New Yor­ker Jazz Club inspi­riert ist. Im Wohn­zim­mer ein Art déco Sofa und mund­ge­bla­se­ne Leuch­ten von Curious & Curio­sa. Doch auch Stüh­le aus den 70ern oder ein anti­ker Schrank aus der Regie­rungs­zeit Edu­ards VII. ver­eint das Paar mühe­los unter sei­nem Dach. Und beweist damit, dass es den Epo­chen­mix nicht nur bes­tens beherrscht, son­dern ganz­heit­lich lebt.

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Fotos: James Balston

www.blackpop.co.uk

 

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