Ausstellungstipp: Design von Ulf Moritz im Neuen Museum Nürnberg

Ulf Moritz ist ein Phä­no­men. Seit vie­len Jah­ren ent­wirft er die schöns­ten Stof­fe – Wie­der­ho­lun­gen aus­ge­schlos­sen. Einen Über­blick der aus­ge­fal­lens­ten Krea­tio­nen der letz­ten Jahr­zehn­te zeigt nun das Neue Muse­um Nürn­berg vom 29. Sep­tem­ber bis 1. Novem­ber 2017.

 

UlfMoritz_SAHCO_2012_Flamenco_white-decohome.de

Trans­pa­ren­ter Blü­ten­rei­gen „Fla­men­co“ aus der Ulf Moritz Kol­lek­ti­on 2012 für Sahco

Schö­nes Stöff­chen.“, mit die­sen Wor­ten, mehr State­ment denn Fra­ge, tritt Ulf Moritz auf Mes­sen ger­ne zu Bewun­de­rern sei­ner Kol­lek­ti­on. Und lei­tet mit einem eben­so iro­ni­schen wie rhe­to­ri­schen: „Na, was hat sich der Ulf denn dabei wie­der gedacht?“, die Prä­sen­ta­ti­on sei­ner tex­ti­len Kunst­wer­ke ein. Auch wenn der Meis­ter betont als Indus­trie­de­si­gner bezeich­net wer­den will, haf­tet sei­nen Ent­wür­fen stets etwas an, das über die rei­ne Gestal­tung von Kon­sum­gü­tern hin­aus geht. Oder wie er es for­mu­liert: „Der Fan­ta­sie Raum geben und damit dem Raum Fantasie.“

Ulf_Moritz_portrait_SAHCO_decohome.de

Sei­ne Stof­fe sind die Hau­te Cou­ture der Ein­rich­tung. Zumin­dest, was den ästhe­ti­schen Aus­druck angeht. Denn bei aller Extra­va­ganz ver­liert Ulf Moritz sei­ne Auf­ga­be nie aus dem Blick: ein ver­käuf­li­ches Pro­dukt zu gestal­ten. Spie­le­risch fusio­nie­ren unter sei­ner Ägi­de tra­di­tio­nel­le Hand­werks­tech­ni­ken mit moderns­ter Tech­no­lo­gie. Ent­ste­hen Mate­ri­al­kom­po­si­tio­nen wie Ross­haar im Mix mit Metall­fä­den und Lei­nen. Wird über­mäch­ti­ges Schwarz mit einem Spot Pink diszipliniert.

Die Zukunft fin­det bei Ulf Moritz heu­te schon statt. Der Aspekt der Inno­va­ti­on im Mate­ri­al steht daher auch im Fokus der Nürn­ber­ger Schau, für die der Meis­ter höchst per­sön­lich sei­ne tex­ti­len Schätz­chen im Foy­er inszeniert.

Ulf-Moritz-NMN-stairs-Anna-Seibel-decohome.de

Vor der clea­nen Archi­tek­tur des Foy­ers im Neu­en Muse­um Nürn­berg setzt der Meis­ter sei­ne tex­ti­len Schät­ze in Szene

1985 begann die Zusam­men­ar­beit mit dem Nürn­ber­ger Tex­ti­le­di­teur Sah­co, für den er seit­dem sei­ne über­ra­schen­den Stoff­krea­tio­nen unter eige­nen Namen lan­ciert und als Crea­ti­ve Direc­tor auch vie­le Jah­re die krea­ti­ven Fäden des Unter­neh­mens mit­ein­an­der ver­wob. Dane­ben lehr­te er an der Design Aca­de­my Eind­ho­ven und ent­warf in sei­nem Design­stu­dio in Ams­ter­dam Tape­ten für Mar­bur­ger, Möbel für den deut­schen Bet­ten­her­stel­ler Schramm und den Schwei­zer Möbel­fa­bri­kan­ten Team by Wellis.

UlfMoritz_SAHCO_2002_Venus-decohome.de

Fal­ten­krea­ti­on „Venus“, 2002

SAHCO_2012_UlfMoritz_Tango_purple

Mit Volants: „Tan­go“, 2012

Sei­ne wah­re Lei­den­schaft gehört jedoch den Stof­fen. Die­se müs­sen für ihn in ers­ter Linie „sexy“ sein, um Men­schen, die eigent­lich kei­ne Stof­fe mögen, zu ver­füh­ren. Wobei sich ange­sichts sei­ner poe­ti­schen Mate­ri­al­kom­po­si­tio­nen viel mehr die Fra­ge auf­drängt, wer hier eigent­lich ver­führt wird: der Betrach­ter oder der Macher? Gera­de­zu ver­liebt in die Mate­ria­li­en und ihre Mög­lich­kei­ten kom­po­niert Ulf Moritz betö­rend schö­ne Gewe­be, die mit einem gewöhn­li­chen Vor­hang oder Bezugs­stoff so viel gemein haben wie ein Spül­tuch mit Brüs­se­ler Spitze.

Sei­ne Stof­fe sind nicht nur Augen­schmaus, son­dern ein rund­um sinn­li­ches Erlebnis.

Ulf Moritz. Tex­ti­les Design“, 29. Sep­tem­ber bis 1. Novem­ber 2017, Neu­es Muse­um Nürn­berg, www.nmn.de

FacebookTwitterPinterestWhatsAppEmailPrint
Weitere Empfehlungen

Suche starten