So wohnt Textildesigner Pascal Walter

War­um Tex­til­de­si­gner Pas­cal Wal­ter für, aber nur sehr zurück­hal­tend mit Stof­fen lebt? Wir haben nach­ge­fragt und zei­gen exklu­si­ve Ein­bli­cke in sei­ne Nürn­ber­ger Wohnung.

Auf die­se Fra­ge war ich vor­be­rei­tet“ ant­wor­tet Tex­til­de­si­gner Pas­cal Wal­ter lachend, als wir ihn mit gro­ßen Augen frag­ten, war­um sein Zuhau­se nicht über und über mit Stof­fen ver­se­hen ist. Zur Info: Für Bran­chen-Ken­ner sind der Name Pas­cal Wal­ter und das Wort Stoff mit­ein­an­der ver­wo­ben. Zwölf Jah­re lang arbei­te­te der Desi­gner für das frän­ki­sche Textilla­bel Sah­co, bis er im ver­gan­ge­nen Jahr den Schritt in die Selb­stän­dig­keit wag­te. Die Arbeit mit Stof­fen ist geblieben.

Begon­nen hat sei­ne tex­ti­le Lauf­bahn mit einem Prak­ti­kum bei Stoff-Pio­nier Ulf Moritz (hier im Inter­view). „Ulf Moritz ist wie ein Men­tor für mich“, erzählt Pas­cal Wal­ter, „von ihm habe ich gelernt die Din­ge, die wir tun, sehr ernst zu neh­men und mich stets zu hin­ter­fra­gen.“ Eine Maxi­me, die jedem Ent­wurf, Mes­se­stand und Set-Auf­bau zu Grun­de liegt – selbst wenn sie bedeu­tet, am Vor­abend noch ein­mal alles kom­plett umzuwerfen.

Textildesigner-Pascal_Walter_grey-walls-modern-decohome.de

Pas­cal Walter

Zu Sah­co kam Pas­cal Wal­ter nach sei­nem Abschluss an der Hoch­schu­le für bil­den­de Küns­te. Aller­dings nicht, wie böse Zun­gen viel­leicht behaup­ten könn­ten, durch Vit­amin Ulf, son­dern durch das Drän­gen eines sehr guten Freun­des. Die­ser riet ihm sich für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le „Tex­til­de­si­gner mit lang­jäh­ri­ger Berufs­er­fah­rung gesucht“ zu bewer­ben, auch wenn letz­te­re bis dato noch nicht vor­han­den war. Nach  drei bestan­de­nen Aus­wahl­ver­fah­ren hat­te er den Job.

textildesigner-Pascal_Walter_Esszimmer_grau-gelb_decohome.de

Das hel­le Ess­zim­mer mit klei­nem Homeoffice-Bereich

Die Qual der Wahl

Umso über­ra­schen­der ist der eher zag­haf­te Ein­satz wei­cher Gewe­be in der hel­len Nürn­ber­ger Alt­bau­woh­nung. Auch wenn ein mit Velours-Kis­sen über­la­de­nes Sofa oder bunt gemus­ter­te Vor­hän­ge in der Under­state­ment-Woh­nung fehl am Platz wir­ken wür­den: War­um darf’s nicht ein wenig mehr Stoff sein?

Mei­ne ehe­ma­li­gen Sah­co-Kol­le­gin Lori Weit­z­ner hat ein­mal gesagt: ‚Stof­fe sind die See­le eines Rau­mes‘. Das fin­de eine sehr pas­sen­de Aus­sa­ge. Stof­fe kom­men beim Ein­rich­ten zwar immer an letz­ter Stel­le, da sie im Ver­gleich zu Möbeln einen gerin­ge­ren Nutz­wert haben, aller­dings bringt nichts so viel Per­sön­lich­keit und auch Gemüt­lich­keit in einen Raum.“

Der den­noch dezen­te Umgang mit Stof­fen in sei­nem eige­nen Zuhau­se hat zwei ein­fa­che Grün­de: Zum einen fällt es dem Desi­gner unter dem täg­li­chen tex­ti­len Ein­fluss schwer, sich auf etwas fest­zu­le­gen. Zum ande­ren braucht er die eige­nen vier Wän­de als Rück­zugs­ort, an dem Auge und Geist sich vom dau­er­haf­ten Krea­tiv-Cha­os des Ate­liers aus­ru­hen können.

Die klei­ne, aber sehr fei­ne Aus­wahl an Stof­fen, die Pas­cal Wal­ter den­noch ein­setzt, stammt ent­we­der aus der eige­nen Feder oder es han­delt sich um Schät­ze aus den Kol­lek­tio­nen von Ulf Moritz.

Textildesigner-Pascal_Walter_grey-walls-modern-decohome.de-wohnzimmer

Bis das rich­ti­ge Sofa gefun­den war, ver­gin­gen neun Jah­re. Bezo­gen ist es mit Wal­ters Lieb­lings­ent­wurf „Fanel­lo“ von Sahco

Auf ins­ge­samt 90 Qua­drat­me­tern Alt­bau wird die Vor­lie­be für neu­tra­le Far­ben auch auf den Wän­den wei­ter­ge­führt. Dabei gibt ein dunk­les Grau den Ton an. Das Grau aber nicht gleich Grau ist, stellt der Desi­gner schon seit dem ers­ten Strei­chen fest. Von Woh­nung zu Woh­nung wur­de der Ton immer dunk­ler, bis er schließ­lich im Nürn­ber­ger 4-Zim­mer-Apart­ment die per­fek­te Nuan­ce gefun­den hat­te. Ein Pro­blem: Da das Haus unter Denk­mal­schutz steht, durf­te nur eine auf Kalk basie­ren­de, mine­ra­li­sche Far­be benutzt werden.

Doch der lan­ge Pro­zess hat sich gelohnt: Der ver­hält­nis­mä­ßig dunk­le Ton unter­streicht den Alt­bau­cha­rak­ter der Räu­me und zieht den­noch nichts von deren Hel­lig­keit ab. Abge­run­det wird das Farb­kon­zept durch wie­der­keh­ren­de graue Ele­men­te wie Tape­ten, Tep­pi­che und Stof­fe (noch mehr Tipps zur Wand­ge­stal­tung mit Grau gibt’s hier).

Textildesigner-Pascal_Walter_grey-walls-modern-decohome.de-esstisch

Die klei­ne Ess­ni­sche wird durch eine struk­tu­rier­te Tape­te, ein klei­nes Vasen­en­sem­ble und Frei­schwin­ger (Tho­net) gemütlich

Textildesigner-Pascal_Walter_grey-walls-modern-decohome.de-kueche
Von der Küche aus gelingt man zu einem von zwei Balkonen
Textildesigner-Pascal_Walter_grey-walls-modern-decohome.de-homeoffice

Krea­ti­ves Mood­board über dem klei­nen Home­of­fice im Esszimmer

Textildesigner-Pascal_Walter_grey-walls-bad-modern-decohome.de-Ankleide
Hin­gu­cker im Bad ist Hocker „Atti­la“ von Phil­ip­pe Stark für Kartell

 

Grau, Kunst und die liebe Ordnung

Neben grau­en Wän­den sind Ord­nung und Klar­heit die Basis für Pas­cal Wal­ters Ein­rich­tungs­stil. Eigen­schaf­ten, die auch das offe­ne Schrank­sys­tem im Anklei­de­zim­mer ermög­licht und in jedem Raum wie­der­zu­fin­den ist. „Als die Woh­nung foto­gra­fiert wur­de, war der Foto­graf jedes Mal begeis­tert, wie auf­ge­räumt es hier ist – dabei sieht es immer so aus“, ver­rät der Tex­til­de­si­gner amüsiert.

Das rich­ti­ge und not­wen­di­ge Maß „Per­sön­lich­keit“ ver­leiht die gro­ße Samm­lung aus Kunst, Zei­tungs­aus­schnit­ten und Bil­dern. Wäh­rend sich die meis­ten Stü­cke Flur und Home­of­fice-Bereich klei­den, set­zen ein­zel­ne Wer­ke in Küche, Wohn- und Schlaf­zim­mer Akzente.

Textildesigner-Pascal_Walter_grey-walls-modern-decohome.de-flur
Trotz dun­kel grau­er Wän­de wirkt der Flur einladend
Textildesigner-Pascal_Walter_grey-walls-modern-decohome.de-flur-kunst
Gut gedacht: Das Acryl­glas­bild „Body Light IV“ von Bea­tri­ce Hug ver­deckt den Stromkasten
Textildesigner-Pascal_Walter_grey-walls-modern-decohome.de-schlafzimmer
Glücks­kauf: Der Vin­ta­ge-Stuhl von Egon Eiermann
Textildesigner-Pascal_Walter_grey-walls-modern-decohome.de-Ankleide
„Mei­ne Mut­ter war ent­setzt über das offe­ne Schrank­sys­tem. Für mich ist es wie jeden Tag ein­kau­fen“, ver­rät Pas­cal Walter

 

Ende ver­gan­ge­nen Jah­res zog es Pas­cal Wal­ter schließ­lich zurück in sei­ne Stu­di­en­stadt Ham­burg. Der Abschied von der mit ihm gewach­se­nen Woh­nung fiel nicht nur dem Desi­gner schwer: „Mein Ver­mie­ter war so begeis­tert, was ich aus der Woh­nung gemacht hat­te, dass er es zur Auf­la­ge für mei­nen Nach­mie­ter mach­te Far­be, Tape­te, Küche und den Spie­gel im Flur so zu über­neh­men“, erin­nert er sich. Ein schö­ne­res Kom­pli­ment könn­te es kaum geben.

Mehr Infos zur Per­son und Pro­jek­ten: www.pascalwalter.de

Fotos: Vol­kan Tural

FacebookTwitterPinterestWhatsAppEmailPrint
Weitere Empfehlungen

Suche starten