Stichfeste Argumente

Die­se Geschich­te beginnt vor fast 60 Jah­ren. Wäh­rend ande­re Damen gemüt­lich am After­noon-Tea nipp­ten oder beim Pfer­de­ren­nen Wet­ten setz­ten, besuch­te Lady Ann Tree, Nach­kom­min einer der berühm­tes­ten Fami­li­en Eng­lands, Gefäng­nis­se. Dort lern­te sie zwei Lang­zeit-Insas­sin­nen ken­nen, brach­te ihnen das Nähen bei und arbei­te­te gemein­sam mit ihnen an einer Rei­he gestick­ter Tep­pi­che, die spä­ter in New York als Samm­ler­stü­cke ver­kauft wurden. 

Der ers­te Schritt für ihr Cha­ri­ty Unter­neh­men Fine Cell Work war getan. Das Ärger­li­che: Das Gesetz erlaub­te es ihr nicht, die flei­ßi­gen Sti­cke­rin­nen zu ent­loh­nen. Eine Tat­sa­che, mit der sich Lady Ann nicht abge­ben woll­te. Also nutz­te sie ihre ein­fluss­rei­chen Kon­tak­te und wand­te sich an das Innen­mi­nis­te­ri­um. Nach einem lang­wie­ri­gen Kampf und zahl­rei­chen Argu­men­ta­ti­ons­ket­ten erreich­te sie 1997 end­lich eine Geset­zes­än­de­rung, wel­che die Bezah­lung für Gefäng­nis­in­sas­sen erlaubte.

Das Pro­jekt ent­wi­ckel­te sich ste­tig wei­ter und dank ihrer Ver­bin­dung zu Nan­cy Lan­cas­ter, die 1944 das Tex­til-Unter­neh­men Col­e­fax & Fow­ler auf­kauf­te, konn­ten die Pro­duk­te ent­spre­chend ver­trie­ben wer­den. Diver­se Desi­gner sowie Stoff-Fir­men waren bereits kurz dar­auf an Sti­cke­rei-Koope­ra­tio­nen interessiert.

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Heu­te arbei­tet das Unter­neh­men mit über 400 Häft­lin­gen aus Eng­land zusam­men. Von ein­fa­chen Näh­ar­bei­ten bis hin zu auf­wen­di­gen Sti­cke­rei­en oder Quil­ten erler­nen die heu­te meist männ­li­chen Insas­sen das brei­te Reper­toire der Hand­werks­kunst. 37 Pro­zent der Ein­nah­men vom Ver­kauf ihrer Arbei­ten dür­fen sie dabei behalten.

Wäh­rend die Hand­ar­beit medi­ta­tiv wirkt, das Selbst­wert­ge­fühl stei­gert und schlicht­weg die Zeit schnel­ler ver­ge­hen lässt, ver­ein­facht der Lohn die spä­te­re Rück­kehr in die Gesell­schaft. Ein Kon­zept, das Wir­kung zeigt. Gefäng­nis­se aus Wales und Schott­land sind bereits dar­auf auf­merk­sam gewor­den und arbei­ten an eige­nen Pro­jek­ten. Und was gibt es Herr­li­che­res, als Hand­werks­kunst, die nicht nur schön anzu­se­hen ist, son­dern auch noch einem guten Zweck dient?

 
 
 
 
 
 
 
 
 
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