Josef Frank: Gute-Laune-Stoffe versus Stahlrohrpurismus
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„Einfarbige Flächen wirken beunruhigend, gemusterte hingegen beruhigend“ – mit seinen Vorstellungen von Harmonie schwamm Josef Frank (1885-1967) gegen den Strom der Zeit. In Baden bei Wien geboren gilt er als einer der bedeutendsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts und mit seinen Textil- oder Möbelentwürfen zu den großen Gestaltern der Moderne, deren Einfluss bis heute greifbar ist.

Erlaubt ist, was gefällt

Auch war er kein Freund standardisierter Ausstattung, sondern der Überzeugung, dass wenn etwas schön war, von guter handwerklicher Qualität und die Bewohner es liebten, so sollte es zur Einrichtung dazu gehören. Diese unter Einbeziehung der persönlichen Lebensgeschichte der Bewohner erzeugte Harmonie bezeichnete er als „Accidentism“.

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Josef Frank studierte zunächst an der Technischen Hochschule in Wien Architektur und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Wiener Werkbundes. Schon früh beschäftigte sich Frank mit sozialem Wohnungsbau und Arbeitersiedlungen. Doch entgegen den meisten anderen Architekten seiner Zeit, wie Le Corbusier oder Walter Gropius, lehnte er Großbauten ab. (Ich will mehr wissen über Le Corbusier)

Reihenhaus statt Wohnsilo

Frank befürwortete den Siedlungsgedanken mit Reihenhäusern die einen eigenen Garten besitzen. Verzicht auf Fassadendekor sowie klare funktionale Linien kennzeichnen seine architektonischen Entwürfe. Darüber hinaus entwarf er Möbel, Einrichtungsgegenstände, Stoffe, Tapeten und Teppiche.

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Design gegen den Strich

1925 gründete er gemeinsam mit Oskar Wlach und Walter Sobotka die Einrichtungsfirma Haus & Garten. Das Unternehmen bot nicht wie sonst üblich einheitliche Raumkonzepte an, sondern Einzelstücke. Textilien setzte er als Raumteiler, für Lampenschirme und Möbelbezüge ein, um der Einrichtung ihre Architektonik zu nehmen und bildete damit einen bewussten Gegenpol zur Stahlrohr-Ästhetik des Bauhausdesigns.

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Svensk Tenn

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft emigrierte Frank 1933 nach Schweden, wo er 1939 die schwedische Staatsbürgerschaft erhielt. Für seine Exilheimat wurde er zum wohl bedeutendsten Designer aller Zeiten, was vor allem mit seiner Tätigkeit als Designer für Svenskt Tenn zusammenhängt: 1924 hatte Estrid Ericson in Stockholm die Firma Svenskt Tenn (übersetzt „schwedisches Zinn“) mit der Absicht gegründet, schöne Zinngegenstände zu erschwinglichem Preis herzustellen. Doch schon bald erweiterte die einrichtungsbegeisterte Schwedin ihr Sortiment.

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Inbegriff der schwedischen Moderne

1934 bot sie Josef Frank die Mitarbeit an. Während seiner Zeit bei Svenskt Tenn entstanden über 2000 Möbelentwürfe und 160 Textildessins. Gemeinsam entwarfen sie den eleganten und großflächig gemusterten persönlichen Interiorstyle, der zum Inbegriff der schwedischen Moderne wurde und bis heute die Kollektionen bestimmt. Wer also nach Stockholm kommt sollte auf jeden Fall dem Svensk Tenn-Shop, dem Mekka aller Josef Frank-Fans, in der Strandvägen 5 einen Besuch abstatten. Im Haus eigenen Tearoom kann man Josef Frank Design in Ruhe auf sich wirken lassen.

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