Atelierbesuch Ranipink: Vintage-Textilien mit echtem Indigo

Auf rein natür­li­che Wei­se erhal­ten Petra Hass­ans Vin­ta­ge-Tex­ti­li­en die schöns­ten Blauschat­tie­run­gen. Für ihr Label Rani­pink färbt sie Kis­sen, Tep­pi­che und Taschen mit der Hand. In ihrem Ate­lier ver­riet uns die Han­no­ve­ra­ne­rin, was blaue Fin­ger­nä­gel über Indi­gofär­ber ver­ra­ten und war­um Dat­teln eine loh­nen­de Zutat sind. 

Wenn sie vom Büro nach Hau­se kommt, macht Petra Hassan am liebs­ten Blau. Sie schaut in die gro­ßen Email­le­töp­fe auf ihrem Bal­kon und inspi­ziert die Fär­be­küp­pe – der Fach­be­griff für die Farb­lö­sung. Lang­sam rührt sie den Sud um, taucht ein klei­nes Stoff­stück hin­ein und holt es wie­der heraus.

Inner­halb weni­ger Augen­bli­cke nimmt das nach die­ser Pro­ze­dur eher gelb-grün­lich erschei­nen­de Tex­til eine zuneh­mend blaue Tönung an. Je öfter die Tex­ti­li­en in das Farb­bad getaucht wer­den, des­to dunk­ler wer­den sie, denn die Indi­go-Pig­men­te durch­drin­gen die Natur­fa­sern nicht, son­dern legen sich schicht­wei­se auf die Fasern, erklärt die Textilexpertin.

Meh­re­re Farb­bä­der spä­ter fin­det Petra Has­sen: „Das reicht noch nicht!“ und wirft eine Dat­tel in den Topf. „Die Küp­pe mag es süß,“ ver­rät sie. Zum Fär­ben ver­wen­det sie aus­schließ­lich natür­li­che Zuta­ten wie Was­ser, Honig, ech­ten Indi­go und Lösch­kalk. Das kön­ne man auch ihren Hän­den anse­hen erklärt sie: „Wer blaue Fin­ger­nä­gel hat, färbt ohne Che­mie. Das ist sozu­sa­gen ein Erken­nungs­zei­chen unter Indigofärbern.“

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Was dabei her­aus­kommt, ver­kauft sie unter dem Label Rani­pink auch über Etsy, einem Online-Markt­platz für Hand­ge­mach­tes und Vin­ta­ge. Eigent­lich ist Rani­pink ja die indi­sche Bezeich­nung eines knal­li­gen Pink­tons, doch sie hält es wie die Schau­spie­le­rin Dia­na Vre­e­land, die sie ger­ne zitiert: „Ich lie­be Pink, es ist das Mari­neblau Indi­ens … !“ Und da war es wie­der, das The­ma Blau, das sich durch Petra Hass­ans Lebens­ge­schich­te zieht, wie bei ande­ren der rote Faden.

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Wie alles begann

Zur Indi­gofär­be­rei kam die Wahl-Han­no­ve­ra­ne­rin durch Zufall. Als sie Anfang der 2000er Jah­re für ihren Job bei H&M in die nie­der­säch­si­sche Haupt­stadt zog, konn­te sie von ihrem Bal­kon in den Hin­ter­hof eines Ladens für Künst­ler­be­darf sehen und beschloss die­sem einen Besuch abzu­stat­ten. Dort ent­deck­te sie ech­tes Indigopulver.

Seit sie den­ken kann, ist Blau ihre Lieb­lings­far­be, mit der sie schon als Mäd­chen die Wän­de ihres Zim­mers strich. Sie bezeich­net sich als Mensch, der zuerst die Far­be sieht und dann erst das Objekt – wes­halb sie sich sogar über den Blau­ton eines Bau­schutt­con­tai­ners freu­en könne.

Der neu erstan­de­ne Farb­schatz woll­te erprobt wer­den. Doch bevor sie ihre Nase wie heu­te in den Fär­be­topf steck­te, schmö­ker­te sie sich durch sta­pel­wei­se Bücher mit Anlei­tun­gen und Tipps. Heu­te färbt Petra Hassan Vin­ta­ge­tex­ti­li­en aus Lei­nen, Wol­le oder Sei­de, die sie auf Floh­märk­ten oder bei Tröd­lern ent­deckt und ver­hilft ihnen zum Come­back. Ob mit Shi­bo­ri, einer japa­ni­schen Schnür­tech­nik oder Batik­de­sign mit Wachs – sie liebt und expe­ri­men­tiert mit vie­len ver­schie­de­nen Techniken.

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Ranipink und Recycling

Aus Stoff­res­ten, abge­leg­ten Jeans und Baum­woll­da­mast fer­tigt sie am ver­ti­ka­len Web­rah­men in ihrem Ate­lier auch von der Ber­ber­kul­tur Marok­kos inspi­rier­te Recy­cling-Tep­pi­che. „Frü­her hat man sei­ne Klei­der und sons­ti­ge Tex­ti­li­en nicht ein­fach ent­sorgt, wenn sie ein Loch hat­ten, son­dern man hat alles geflickt oder ein klei­nes Stück Stoff über das Loch gehef­tet,“ erzählt sie. „In unse­rer schnell­le­bi­gen Welt gefällt mir der Gedan­ke des krea­ti­ven Wie­der­ver­wen­dens.“ Dass sie es damit zur wah­ren Meis­ter­schaft gebracht hat, zei­gen ihre Stof­fe mit rot oder pink bestick­ten Patchwork-Flecken.

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Und dass ihre Lei­den­schaft abfärbt, ist auch ihrer Woh­nung anzu­se­hen. Blau ist omni­prä­sent. Kaum hat man die Tür­schwel­le über­schrit­ten, wähnt man sich mit­ten im Ori­ent – oder wie es die Bewoh­ne­rin nennt, in ihrer pri­va­ten Wüs­ten­oa­se. Eine Lie­be, die sie mit ihrem Mann teilt, der als gebür­ti­ger Tua­reg aus der Mit­te der Saha­ra stammt.

Viel­fach hat sie die Wüs­te bereist und stän­dig zieht es sie dort­hin zurück: In den Noma­den­kul­tu­ren fin­det sie immer neue Inspi­ra­tio­nen für ihre Tex­til­krea­tio­nen. Und auch im Ori­ent, vor allem in Marok­ko, kommt die Far­be Blau häu­fig zum Ein­satz. Viel­leicht ist doch alles kein Zufall.

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www.etsy.com/de/shop/ranipink

Fotos: Herz&Blut für Etsy.com

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