Nachgefragt: Farbgestaltung in Blau-Grün

In unse­rer Serie „Nach­ge­fragt“ ver­ra­ten Ein­rich­tungs­pro­fis ihre Tricks. Für die­se Fol­ge wähl­ten wir ein Ambi­en­te des fran­zö­si­schen Stof­fe­di­teurs Lelièv­re in herr­li­chen Blau-Grün-Tönen. Wie es der Zufall so woll­te, hat die Münch­ner Ein­rich­te­rin Isa­bel Non­nen­ma­cher just die­se Far­ben gera­de in ihrem eige­nen Stu­dio umge­setzt. Wie man sie am bes­ten arran­giert, erklärt sie im Interview.

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Bitte ganz spontan: Frau Nonnenmacher, was assoziieren Sie mit diesem Bild?

Spon­tan taucht die tie­fe Ruhe eines Berg­sees vor mei­nem inne­ren Auge auf. Neben die­ser Ruhe spie­gelt das gezeig­te Ensem­ble einen ange­neh­men ele­gan­ten Lebens­stil wider. Die Mate­ria­li­en ver­mit­teln Wer­tig­keit und es tau­chen Ele­men­te des gera­de aktu­el­len moder­nen Art-déco-Stils auf. Für mich geht eine locker-ent­spann­te Atmo­sphä­re von dem Bild aus. Es lädt gera­de­zu zu einem wun­der­ba­ren Drink ein.

In welche Architektur und speziell in welchen Raum passt diese Farbkombi?

Die­se Farb­kom­bi­na­ti­on passt wun­der­bar zu allen Räu­men, die der Kom­mu­ni­ka­ti­on die­nen: Ein­gangs­be­rei­che, Ess­zim­mer, Wohn­zim­mer und natür­lich zu Bars. Mei­ner Mei­nung nach ist sie auch eine per­fek­te Farb­ba­sis für Restau­rants. In Mün­chen gibt es zur Zeit zwei Restau­rants, die die­sen Farb­trend aktu­ell auf­ge­grif­fen haben – das Colet­te und das Kis­met.

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Tape­te „Tro­pi­ca­na“ von Mat­thew Wil­liam­son ziert die Wän­de der Bras­se­rie Colette

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Im Kis­met neh­men Gäs­te auf dem bekann­ten Wie­ner Cafe­haus­stuhl von Tho­net Platz

Die­ser meer­grü­ne Grund­te­nor unter­streicht die gestal­te­ri­schen Anlie­gen des Modern Art déco Styles. Die ele­gan­te Klar­heit, die gera­den Lini­en und die immer wie­der auf­tau­chen­den geo­me­tri­schen und gra­fi­schen Ele­men­te sind der Tur­bo die­ser Stilrichtung.

Sie ermög­licht eine Viel­falt von Kom­bi­na­tio­nen, ist locker und läs­sig. Sie gibt Räu­men eine kla­re Linie, lässt aber trotz­dem vie­le Mög­lich­kei­ten offen. Zum Bei­spiel kann die­se Gerad­li­nig­keit durch opu­len­te Stoff­mus­ter oder Tape­ten gebro­chen werden.

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Cole & Son leg­te sei­ne „Icons“ gera­de in neu­en Far­ben auf.

Welcher Style passt generell dazu?

Zu die­sem moder­nen Retro-Style passt es wun­der­bar, dem gesam­ten Raum einen ent­spre­chen­den Farb­cha­rak­ter zu geben, etwa alle vier Wän­de in einer ent­spre­chen­den Far­be zu strei­chen bzw. zu tape­zie­ren. Wer mutig ist, bezieht auch die Decke in die­ses Far­ben­spiel mit ein.

Dazu pas­sen moder­ne Möbel, Design­klas­si­ker aber auch aus­ge­such­te Anti­qui­tä­ten als Hin­gu­cker und Ein­zel­stü­cke. Mir per­sön­lich gefal­len im Rah­men die­ser Retros­til­rich­tung ein­far­bi­ge, mit Samt bezo­ge­ne Hocker und dazwi­schen mit­ten­drin ein gemusterter.

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Pols­ter­ho­cker Bay­ard (Home24)

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Pouf Ker­man von e15

Mit Acces­soires und der Deko­ra­ti­on soll­ten gezielt Akzen­te gesetzt wer­den. So kann zum Bei­spiel mit far­bi­gen Fel­len oder Motiv­kis­sen, die eine Geschich­te erzäh­len, eine uner­war­tet inten­si­ve Raum­wir­kung erreicht wer­den. Zusam­men­ge­fasst wür­de ich die­sen Style als läs­sig und wer­tig bezeichnen.

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Flau­schi­ges Kis­sen (Home24)

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Run­des Kis­sen Opi­at von Lacroix

 

Wie würden Sie kombinieren?

Ich wür­de, wie schon gesagt, bei den Möbeln über­wie­gend mit Design­klas­si­kern arbei­ten. Bei den Stof­fen wür­de ich glat­tes und auch drei­di­men­sio­na­les, kusche­li­ges Mate­ri­al wählen.

Gold­mes­sing“ ist ein wesent­li­ches Stil­ele­ment des ursprüng­li­chen Art déco. Auch Blü­ten, Pflan­zen, Pfau­en­fe­dern und Tier­mo­ti­ve gehö­ren dazu. Im moder­nen Art-déco-Stil tau­chen die­se Stil­ele­men­te wie­der auf und sind durch unse­re moder­nen Tech­ni­ken noch farb­in­ten­si­ver und leuch­ten­der. Die Stof­fe sind viel­leicht sogar einen Grad gemütlicher.

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Leuch­te „Bran­quin­ho L“ (Eich­holtz)
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Zwei­sit­zer „Oslo“ (Muuto)
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Bei­stell­tisch „Quer­cus“ (Eich­holtz)
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Spar­do­se in Fisch­form (Käh­ler)
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Tape­te „Exo­tis­me“ von Lac­roix (Desi­gners Guild)

Ich fin­de Mar­mor, ob dun­kel oder hell, in die­sem Zusam­men­hang sehr frisch, wie zum Bei­spiel beim „Tulip“-Tisch von Aero Saa­ri­nen (Knoll International).

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Sehr ger­ne kom­bi­nie­re ich auch klei­ne Käs­ten mit Schmet­ter­lin­gen oder Pflan­zen. Auch mat­tes, wei­ßes Por­zel­lan mit sei­ner beru­hi­gen­den Far­big­keit und Hap­tik ist eine gestal­te­ri­sche Bereicherung.

Haben Sie dieses oder ein vergleichbares Dessin bzw. diese Farbstellung bereits irgendwo eingesetzt (privat oder bei Kunden)? Bitte beschreiben Sie das Projekt genauer.

Ja, in mei­nem Stu­dio. Die­se Far­ben strah­len eine ange­neh­me Ruhe aus, sind kom­mu­ni­ka­tiv aber auch ent­span­nend. Wenn die Kun­den das ers­te Mal in mein Stu­dio kom­men, sind sie posi­tiv über­rascht von der ange­neh­men Atmosphäre.

Ich habe moder­ne wei­ße Side­boards und Bücher­re­ga­le sowie gro­ße Fens­ter­fron­ten. In der Bespre­chungs­ecke befin­det sich ein Sofa in einem berg­see­grü­nen Samt. Das strahlt eine gewis­se Gemüt­lich­keit aus. Im Lounge Chair liegt ein Fell in Oce­an-Green. Die Bei­stell­ti­sche sind Mes­sing­gold bzw. in Chrom, die Kis­sen vari­ie­ren je nach Lust und Lau­ne. Meis­tens aber sind es wel­che von Lac­roix oder Mis­so­ni gemixt mit ande­ren Samt- oder Motiv­kis­sen. Das Gan­ze steht auf einem gro­ßen alten Ori­ent­tep­pich, den ich im sel­ben Farb­ton ein­fär­ben ließ. Das ist sozu­sa­gen mei­ne pri­va­te Insel.

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Wie kann ich diese Farben schnell und unkompliziert in ein bereits bestehendes Ensemble integrieren? Bitte nennen sie eine kostengünstige und eine aufwändigere Variante.

Die ein­fachs­te Vari­an­te ist Wän­de ent­spre­chend far­big zu gestal­ten. Da kann ich mir eine far­bi­ge Wand bei­spiels­wei­se hin­ter einem Ess­tisch oder einem Sofa vor­stel­len. Die auf­wen­di­ge­re Vari­an­te bezieht die Sitz­mö­bel in die Farb­ge­stal­tung ein. Je nach­dem, wel­che Far­be Ihr Sofa hat, genügt es oft schon farb­stim­mi­ge Kis­sen zu dekorieren.

Viel Effekt bringt auch – ähn­lich wie in mei­nem Stu­dio – ein gro­ßer Tep­pich in den Far­ben eines Berg­sees unter dem Ess­tisch oder der Sitzgruppe.

Was passt gar nicht dazu?

Die­se Fra­ge hat mich bezüg­lich der Far­ben rich­tig gefor­dert. Da mir zunächst kei­ne Far­be ein­fiel, habe ich mit mei­nen Farb­fä­chern gespielt. In der Tat sieht ein leuch­ten­des Rot nicht gut zu der beschrie­be­nen Far­big­keit aus. Geht es aber ein biss­chen in Rich­tung Oran­ge oder Wein­rot, dann wird die Farb­stel­lung wie­der akzeptabel.

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Ses­sel „Chill­out“ (Saba)

Fazit: Fast alle Far­ben sehen zu den Mee­res­tö­nen span­nend aus. Das hängt mei­ner Mei­nung nach damit zusam­men, dass sie in der Natur sehr häu­fig vor­kom­men und wir sie daher ken­nen. In unse­rem Gehirn sind sie posi­tiv belegt.

Unter dem Aspekt Möbel pas­sen Bau­ern­mö­bel, Land­haus­mö­bel und wuch­ti­ge Pols­ter­mö­bel nicht unbedingt.

Bitte beschreiben Sie Ihre Arbeit und Ihren Stil.

nachgefragt-lelievre-isabel-nonnenmacherMei­ne Arbeit ist sehr span­nend und abwechs­lungs­reich. Ich lie­be sie. Im Zen­trum mei­ner Arbeit ste­hen aber immer die Men­schen, mei­ne Kun­den. Ich möch­te für sie einen Ort gestal­ten, an dem sie sich glück­lich füh­len und sich und ihre Per­sön­lich­keit wiederfinden.

Wenn ich manch­mal nach Mona­ten in ein von mir gestal­te­tes Pro­jek­te gehe, zum Bei­spiel einem Restau­rant, einem Laden oder einer Woh­nung, und sehe, wie wohl sich die Men­schen dar­in füh­len, dann macht mich das glücklich.

Mehr über Isa­bel Non­nen­ma­cher: www.wohnakademie.de

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