Ein Teufel im Paradies: Le Corbusier und die Villa E1027 von Eileen Gray
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Drei Jahre arbeitete Eileen Gray an ihrem neuen Zuhause. Betreten hat sie es nach der Fertigstellung nie wieder. Wir erzählen die tragische Geschichte der Villa E1027 von Eileen Gray und zeigen coole Neuauflagen ihres Designs.

Die Villa E1027

Zum ersten Mal hatte die Designerin, die bis dahin vor allem Möbel und Interieurs entworfen hatte, hier ein ganzes Haus gestaltet. In einem Buchstaben-Zahlen-Spiel verwob sie ihre Initialen mit denen Jean Badovicis zu einem Statement ihrer Liebe: So steht E für Eileen gefolgt von je einer Zahl für bestimmte Buchstaben des Alphabets, 10 für J wie Jean, 2 für das B von Badovici und 7 für G wie Gray.

Doch zur Zeit der Fertigstellung hatte sich das Paar bereits getrennt und Gray die Villa ihrem Verflossenen zum Geschenk gemacht. Was als Traum zweier Liebender begann, entwickelt sich zum Drama. Badovici lädt seinen Freund Le Corbusier ein, der zum großen Entsetzen Grays die Wände in einem kreativen Wutanfall mit einer Reihe halb-abstrakter, teils erotischer Motive bemalt. Fotografien zeigen Le Corbusier nackt beim „Beschmieren“ der Wände. Zeitweise wird die Villa E1027 deshalb sogar als Entwurf Le Corbusiers angesehen.

Doch was veranlasst den großen Architekten zum Kunstvandalismus am Werk seiner ehemaligen Schülerin? Dass sie nicht getreu dem Gedankengut des großen Meisters weiterarbeitet, sondern sich einen eigenen Ansatz erlaubt, der in seiner Modernität den Lehrer geradezu in den Schatten stellt?

 
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Während Corbusier mit seiner Idee der „Wohnmaschine“ eine beliebig multiplizierbare funktionale Wohneinheit entwickelt, versteht Eileen Gray ihr Haus als organisches Gebilde, gleich einer Schale des Menschen – ganz auf seine individuellen Bedürfnisse ausgerichtet. In den 1950er Jahren baut Le Corbusier seine legendäre Blockhütte „Le Cabanon“ gleich daneben, will auch die Villa selbst erwerben, was jedoch nicht gelingt.

Am 27. August 1965 stirbt er beim Baden im Meer an einem Herzschlag. Das Letzte, was er sieht: Eileen Grays Architektur-Ikone. Unter dem Titel „The Price of Desire“, der 2015 in den Kinos lief, erzählt Regisseurin Mary McGuckian die Geschichte Eileen Grays, mit der Villa als einem der Hauptschauplätze.

Die Entwürfe

Drei Jahre lang arbeitet Eileen Gray an der Ausstattung ihrer Villa E1027. Dabei mischt sie bereits bestehende Möbeldesigns mit Neuentwürfen. Im Fokus ihrer Aufmerksamkeit steht die Interaktion mit den Sinnen und dem menschlichen Körper. So entwirft sie einen Teewagen, dessen Korkoberfläche das Klirren des darauf transportierten Porzellangeschirrs verhindert oder etwa den legendären höhenverstellbaren E1027-Tisch.

Neben strahlendem Weiß begrenzt sie ihr Farbkonzept auf ein sanftes Rosa-, ein helles Eau-de-Nil-Grün und Nachtblau. Farben, die mit dem Sonnenuntergang, dem Innern einer Muschel oder dem Meer bei Nacht maritime Assoziationen evozieren.

Zu den Entwürfen für ihre Villa zählt auch der Centimetre-Rug, der von Classicon wieder aufgelegt und auf den Frühjahrsmessen 2017 vorgestellt wurde. Dieses Meisterwerk abstrakter Textilkunst wird aus reiner, mit biologischen Farbstoffen gefärbten Wolle handgeknüpft, misst 200 x 300 cm und kostet 5595 Euro.

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Weitere Klassiker Eileen Grays aus ihrem südfranzösischen Sommerhaus sind Beistelltisch „Rivoli“, Sessel „Bibendum“ oder auch Tisch „Jean“ (alle von Classicon):

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Eileen_Gray_Villa_E1027_chair_Bibendum_Classicon_decohome.de
 
Eileen_Gray_Villa_E1027_table_Jean_Classicon_decohome.de
 

Seit Vollendung der ersten Renovierungsphase 2015 ist die Villa-E1027 als Teil des Cap Moderne-Komplexes, zu dem auch Le Corbusiers Sommerbehausung Le Cabanon, das Restaurant Etoile de Mer und eine Reihe kleiner Ferienunterkünfte gehören, der Öffentlichkeit in geführten Touren zugänglich. Reservierungen können Sie hier buchen.

www.capmoderne.com

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