Die Weinglas Revolution

Was macht die Kugel im Wein­glas? Und brau­chen wir die wirk­lich? DECO HOME woll­te es genau wis­sen und traf das – zu einem Teil sogar roya­le – schwe­di­sche Desi­gner­duo Ber­na­dot­te & Kyl­berg zur Vor­stel­lung ihrer neu­en Glas­se­rie in Frank­furt.

Hin­ter den bei­den Namen ste­hen Schwe­den-Prinz Carl Phi­lip und sein Stu­di­en­freund Oscar Kyl­berg. In einer Koope­ra­ti­on mit dem baye­ri­schen Glas­her­stel­ler Zwie­sel Kris­tall­glas hat das krea­ti­ve Dop­pel nun die Kon­zept­se­rie „Air“ und „Air Sen­se“ lan­ciert und auf der Kon­sum­gü­ter­mes­se Ambi­en­te vor­ge­stellt. Die puris­ti­sche, schwe­re­los wir­ken­de Form über­rascht bei der mund­ge­bla­se­nen Degus­ta­ti­ons­se­rie „Air Sen­se“ mit einer glä­ser­nen Kugel.

Was macht denn die Kugel da eigent­lich im Weinglas?

Kyl­berg: Das ist eine fest mit dem Glas ver­bun­de­ne Dekan­tier­ku­gel, die den Wein zusätz­lich belüftet.

Wie haben Sie die­se Idee entwickelt?

Ber­na­dot­te: Zu Beginn unse­rer Koope­ra­ti­on mit Zwie­sel haben wir die Glas­blä­se­rei besucht und dabei sogar selbst gebla­sen. Schnell wur­de uns klar, dass alles immer mit einer Glas­bla­se beginnt. Die­sen Gedan­ken haben wir auf­ge­grif­fen. Zuerst haben wir an einem Dekan­ter gear­bei­tet und über­legt, wie man sei­ne spä­te­re Auf­ga­be beschleu­ni­gen kann. Die bei­den wich­tigs­ten Zuta­ten dabei sind ein­fach nur Wein und Luft. Erst der Sauer­stoff haucht dem Wein Leben ein. Wes­halb also die­sen Pro­zess aus­schließ­lich im Dekan­ter belas­sen? War­um nicht fort­füh­ren? Und so haben wir die Sphä­re schließ­lich direkt ins Glas integriert.

Heißt das der Geschmack des Weins ver­än­dert bzw. ver­bes­sert sich weiterhin?

Kyl­berg: Das war unse­re Theo­rie, die uns ein Som­me­lier spä­ter auch bestätigte.

Wie kam es zu die­ser Koope­ra­ti­on und wie sind Sie das Pro­jekt ange­gan­gen? Mit einer guten Fla­sche Wein?

Kyl­berg: Ich wünsch­te, das wäre so.

Ber­na­dot­te: Wir waren letz­tes Jahr auf der Ambi­en­te um unse­re Kol­lek­ti­on „Aqua­tic“ für Stel­ton vor­zu­stel­len. Kaum hat­ten wir etwas freie Zeit, sind wir über die Mes­se gegan­gen und am Stand von Zwie­sel hän­gen­ge­blie­ben. Wir waren begeis­tert von der Qua­li­tät und haben uns mit den Leu­ten dort län­ger unter­hal­ten. So führ­te eins zum anderen.

Wel­che Vor­ga­be hat­ten Sie und was hat Sie dar­an gereizt?

Kyl­berg: Es soll­te eine Sti­el­glas-Serie wer­den. Das war nun natür­lich etwas, das es bereits zur Genü­ge gibt. Wir haben uns gesagt: Wir machen das nur, wenn es uns gelingt, etwas wirk­lich Neu­es zu ent­wi­ckeln. Allein schon die Tat­sa­che, dass sich seit bald 800 Jah­ren am Werk­stoff Glas selbst eigent­lich nichts getan hat, fas­zi­nier­te uns. Der Fokus im Design­pro­zess hat­te immer nur auf der äuße­ren Form gele­gen, aber nie im Innern. Da haben wir angesetzt.

Wie lan­ge hat die Ent­wick­lung gedauert?

Kyl­berg: Das war ein lan­ger Pro­zess. Wir arbei­ten ja immer an meh­re­ren Pro­jek­ten zugleich und müs­sen uns abstimmen.

Ber­na­dot­te: Wir haben den Groß­teil des Früh­jahrs und Som­mers 2015 mit der Recher­che ver­bracht. Die Zeich­nung kam dabei erst rela­tiv spät ins Spiel. Wir wuss­ten: Erst wenn wir genug Wis­sen ange­sam­melt haben, kön­nen wir die rich­ti­gen Fra­gen stel­len. Und auch beantworten.

Sie arbei­ten als Desi­gner-Duo. Was schätz­ten Sie aneinander?

Kyl­berg: Ich weiß, dass Carl Phi­lip gute Ide­en bringt, wenn ich mal einen schlech­ten Tag habe und umgekehrt.

Ber­na­dot­te: Wir haben unse­re Fir­ma vor etwa drei Jah­ren gegrün­det, doch wir ken­nen uns schon viel län­ger – rund 15 Jah­re. Man könn­te sagen, wir spie­len wie im Fuß­ball auf der glei­chen Posi­ti­on. Nur, dass er von rechts schießt und ich von links. Doch das hilft uns vor­wärts zu kom­men. Gemein­sam kom­men wir weiter.

Was zeich­net skan­di­na­vi­sches Design für Sie aus?

Kyl­berg: Dass es ein­fach Design ist. Wir Skan­di­na­vi­er las­sen alles Über­flüs­si­ge weg und fügen nichts Unnö­ti­ges hin­zu. Außer in die­sem Fall, da haben wir tat­säch­lich etwas hin­zu­ge­fügt – die Glaskugel.

Sind Sie für das per­fek­te Wein­glas zu ech­ten Wein­ex­per­ten geworden?

Kyl­berg: (lacht) Zumin­dest lie­ben wir bei­de gutes Essen und guten Wein. Das ist doch ein Anfang.

Air_Chardonnay_Dekanter_copyright Zwiesel Kristallglas 1

Por­trät­fo­to Ber­na­dot­te & Kyl­berg: Mor­gan Norman

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