Designreise mit Sebastian Herkner
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Für die Kollektion ihres Labels Ames führte Ana María Calderón Kayser Stardesigner Sebastian Herkner durch ihre Heimat Kolumbien. Sie zeigt: Traditionelles Design kann auch cool sein.

„Trotz aller Schwierigkeiten ist dieses Land ein Paradies auf Erden. Die leckere Küche, die wunderbaren Farben der Tiere und Pflanzen, die vielen verschiedenen Klimazonen, die man in diesem Land findet … all das ist einfach wunderbar,“ schwärmt Ana María Calderón Kayser, die heute im idyllischen Koblenzer Hinterland lebt. Für die neue Kollektion ihres Labels Ames zeigte sie Sebastian Herkner die wichtigsten Winkel ihres Heimatlandes: „Es lag mir sehr am Herzen, dass Sebastian, bevor ein Entwurf entsteht, Land und Leute kennenlernt und einen Einblick in unsere Kultur, Folklore und Landschaft erhält. Meiner Meinung nach kann nur so ein authentisches Projekt entstehen.“

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Ames: Handwerk meets Design

Von der Hauptstadt Bogotá aus reisten die beiden ins nordöstlich gelegene Boyacá und weiter nach Tolima, im Zentrum des Landes. In Dörfern und Städten entlang ihrer Route besuchten sie kleine Manufakturen und Familien, die ihre Produkte bis heute auf traditionelle Weise fertigen. Aus diesen Begegnungen und Eindrücken, ihren Farben und Formen, entstand die Kollektion Ames Sala, mit ihren Kissen, Körben und Keramiken.

„Mir war wichtig, dass man den Produkten ihre Herkunft ansieht, sie aber dennoch eine moderne Attitüde mitbringen. Zudem sollten sie zu 100 Prozent aus Naturmaterialien handgearbeitet sein und das visuell wie haptisch widerspiegeln,“ erklärt Ana María ihre Idee. Und verrät: „Für Ames ist es die erste Zusammenarbeit mit kolumbianischen Manufakturen. Ich persönlich habe mich schon immer mit Kunsthandwerk beschäftigt, sammle sogar Objekte, bei denen die Herstellungstechnik auch heute noch sehr authentisch und unberührt ist.“

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Ein Korb entsteht

In Cerinza, einem Dorf in der Provinz Boyacá entwickelte Sebastian Herkner mit den Korbflechtern Serie „Fibra“. Alle Körbe sind aus Espartogras gefertigt, das ab einer Höhe von 2.600 Metern wild wächst. Dort wird es gesammelt, zur weiteren Verarbeitung getrocknet und vor dem Flechten meist mit natürlichen Rohstoffen eingefärbt.

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Feuer und Flamme

Keramikserie „Barro“ aus schwarzem Terrakotta wird in der Provinz Tolima nach traditioneller Töpferkunst gefertigt und im hügelförmigen Holzofen gebrannt. Sie umfasst Vasen, Tabletts und Töpfe, die sich auch wunderbar als Pflanzkübel eignen.

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Masche für Masche

Wollkissenkollektion „Nido“ stammt aus dem in den Anden gelegenen Reserva Entreaguas. Viele Kissen werden mit farbig gehäkelten Motiven in Makramee-Technik verziert.

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Eine Frage der Wertschätzung

Neben dem interkulturellen Austausch macht sich Ana María mit ihrer Kollektion besonders für alleinerziehende Frauen stark, deren Motivation und Kreativität sie besonders schätzt. „Doch das soziale Engagement von ames sala geht noch weiter,“ freut sie sich. „Die Kunsthandwerker und Familien merken zum ersten Mal, dass ihre Techniken wertgeschätzt werden und sie damit ihre Existenz sichern können. Dies weckt wiederum das Interesse der jüngeren Generationen am traditionellen Kunsthandwerk.“

Obwohl sie ihr Heimatland oft und lange bereist, war diese Tour mit Sebastian Herkner dennoch etwas Besonderes. „Das größte Abenteuer war eine Übernachtung in einem kleinen leeren Haus, neben einem wilden Fluss, mitten im tropischen Wald des Naturreservats Entreaguas. Dort hatten wir keinen Strom, keinen Akku und befanden uns sozusagen im Nirgendwo.“ Wie die Reise Herkner wohl gefallen hat? Das hat er in Körben, Kissen und Keramiken doch längst erzählt.

Sie möchten mehr über Labels wissen, die ihre Produkte noch nach altem Handwerk fertigen? Lesen Sie hier, wie das britische Leuchtenlabel Porta Romana seine Schmuckstücke in der englischen Countryside fertigt oder hier, wie eine junge deutsche Keramikkünstlerin ihr Handwerk in der ländlichen Toskana fördert.

Fotos: Andres Valbuena

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