Designreise Miami: die schönsten Viertel und sehenswerte Orte

Mia­mi. In den Acht­zi­gern gemein­hin als Vor­zei­ge-Sün­den­pfuhl und Dro­gen­ein­fuhr­del­ta bekannt, spä­ter bes­ten­falls Rent­ner­pa­ra­dies, hat sich die Son­nen­me­tro­po­le mitt­ler­wei­le zu einem von Ame­ri­kas Kunst- und Life­sty­lezen­tren gemau­sert. Wir waren vor Ort, um mal nach­zu­se­hen, was das heißt.

Miami Beach

Wer Mia­mi denkt, denkt ziem­lich sicher Mia­mi Beach, das eine der City vor­ge­la­ger­te Halb­in­sel ein­nimmt und recht­lich eine ganz eige­ne Stadt ist. Leben und urlau­ben fühlt sich hier an wie die berühm­ten, immer anders gestal­te­ten Life­guard-Hüt­ten am Strand aus­se­hen: eine bei­zei­ten bizar­re, zwei­fel­los inter­es­san­te Mischung aus „Ich mach‘, was mir gefällt“ und „Zeig her, was du hast!“.

Wer die Strand­bild-prä­gen­den Wucht­ho­tel­an­la­gen ver­mei­den will, ist im inha­ber­ge­führ­ten und 1942 gebau­ten (für hie­si­ge Ver­hält­nis­se also schon fast his­to­ri­schen) The Bet­sy South Beach gut auf­ge­ho­ben (DZ ab 284 Dollar/Nacht). Anders als die vie­len angren­zen­den Art déco Bau­ten ist es ein ein­sa­mer Able­ger der Flo­ri­da Geor­gi­an Archi­tec­tu­re, sti­lis­tisch also an der zwi­schen 1720 und 1840 vor­herr­schen­de Bau­wei­se in Eng­land orientiert.

Das Inte­ri­or Design im „Beach meets Kolo­ni­al-Stil“ erin­nert dage­gen an das zumin­dest geo­gra­fisch nahe und die­se Stadt in allen Ecken prä­gen­de kuba­ni­sche Havan­na. Jüngst kauf­te man das Rück­ge­bäu­de zu, saniert es denk­mal­schutz­ge­recht, damit es unter ande­rem mit einem Roof­top-Pool bril­lie­ren kann.

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Ein kur­zer Fuß­weg über den Oce­an Dri­ve führt zum berühm­ten Art déco Dis­trict, der größ­te sei­ner Art welt­weit. Nicht nur lehr­reich, son­dern auch unter­halt­sam ist eine geführ­te Wal­king Tour der Mia­mi Design Pre­ser­va­ti­on League. Frei­wil­li­ge Füh­rer wie die drah­ti­ge Rent­ne­rin Wen­dy erläu­tern mit lie­bens­wert patrio­ti­scher Inbrunst, was den Stil aus­macht – von bau­li­chen „Augen­brau­en“, Zick-Zack-Zigar­ren-Lini­en und gehei­men Sym­bo­len in Ter­raz­zo-Böden, die wäh­rend der Pro­hi­bi­ti­on den Weg zur Flüs­ter­knei­pe wiesen.

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Wynwood

Es ist ja so: Zu Fuß kommt man jeder Stadt und sei­nen Bewoh­nern schnel­ler nahe – selbst in Dri­ve-Through-Coun­try Ame­ri­ka. Von ark­tisch kli­ma­ti­sier­ten Innen­räu­men frös­teln­de Urlau­ber taut eine Run­de durch das Sze­ne­vier­tel Wyn­wood auf. Street-Artist Ryan Fer­ell, in der Sze­ne bes­ser bekannt als Wheel­bar­row, führt durch die besprüh­ten „Walls“ als wären es sei­ne eige­nen: Kaum eine, viel­leicht sogar gar kei­ne Haus­wand, die hier nicht mit einem groß­for­ma­ti­gen Graf­fi­ti aufträgt.

Wer die­se Tech­nik danach noch immer als Van­da­lis­mus denn als Kunst­form ver­steht, ver­steht ziem­lich wahr­schein­lich auch nichts von Kunst. Fas­zi­niert und stolz, aber auch recht has­tig (gute Eng­lisch­kennt­nis­se vor­aus­ge­setzt!) erzählt Ryan von Ehren­ko­de­xes und Kol­le­gen, deren „Tag Names“ (Künst­ler­na­men) inter­na­tio­nal bekannt sind. Zitiert aber auch das allem zugrun­de lie­gen­de Cre­do, das sich grund­sätz­lich von den klas­si­schen Regeln der Kunst unter­schei­det: „Eine neue Wand soll­te immer bes­ser sein als die alte. Aber alles kann über­malt wer­den. Nichts ist heilig.“

 
 
 
 
 
 
 

Little Havanna

Mia­mi und Flo­ri­da, der Klang allein ist fast schon ein Kli­schee an sich. Den­noch darf man sich nicht wun­dern, wenn auf Eng­lisch vor­ge­tra­ge­ne Anfra­gen in eini­gen Restau­rants und Läden über­ra­schend beant­wor­tet wer­den: „Sor­ry, solo Espa­gnol“. Mehr als 66 Pro­zent der Bevöl­ke­rung stam­men aus latein­ame­ri­ka­ni­schen Län­dern, die größ­te Grup­pe aus Kuba.

Ein Abste­cher nach Litt­le Havan­na ist also kul­tu­rell und, wenn man eine Mia­mi Culi­na­ry Tour bei Grace bucht, auch kuli­na­risch wert­voll. Vom so star­ken wie süßen Kaf­fee-Shot, übers Schin­ken-Käse-Sand­wich (Kuba-Insi­der wer­den an die­ser Stel­le wis­send lächeln), dem unver­meid­li­chen Moji­to, home­ma­de Cigars, zu fri­schen Säf­ten und selbst­ge­mach­ter Ice Cream – Grace weiß, wo’s gut ist und gibt ihr Wis­sen sehr unter­halt­sam weiter.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Biscayne Boulevard

Ein vom gemei­nen Son­nen­an­be­ter weit­hin unter­schätz­tes Vier­tel ist die Gegend am tren­di­gen Ende des lan­gen Bis­ca­y­ne Blvd, genau­er: um das ent­spann­te und vor allem cool ein­ge­rich­te­te Vag­abond Hotel (ab 179 Euro/DZ). Die Besit­zer sind ein gleich­be­rech­tig­tes Kon­glo­me­rat aus kul­tur- und kunst­in­ter­es­sier­ten Quer­ein­stei­gern, die immer dabei sind, wei­te­re Pro­jek­te in der Gegend anzuschieben.

Und die­se wur­de jüngst durch Nach­bar­schafts­in­itia­ti­ve unter Schutz gestellt: Hier fin­det sich ein groß­ar­ti­ges Zeug­nis der gera­de so ange­sag­ten Mia­mi Modern Archi­tek­tur, kurz MiMo. Im wei­te­ren Sin­ne links und rechts des ehe­ma­li­gen Motels haben sich stylishe Orte zum stylish Zeit ver­trö­deln ange­sie­delt. Eine unge­wöhn­li­che Alter­na­ti­ve zum Beach Life.

 
 
 
 
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