Neue Räume für die Kunst

Frü­her fand man gute Kunst fast aus­schließ­lich in Muse­en und Gale­ri­en oder hin­ter ver­schlos­se­nen Türen. Doch der Umgang mit Meis­ter­wer­ken oder sol­chen, die es noch wer­den wol­len, erlebt einen Wan­del: ob in Koope­ra­ti­on mit Restau­rants, gan­zen Stadt­vier­teln oder schnell gekauft per App – so demo­kra­tisch, und damit für jeden zugäng­lich, geht Kunst heute!

Titel­bild: Restau­rant Sra Bua

Auf neuen Wegen

Wäh­rend bis­her vor allem Zahn­arzt­pra­xen (in manch­mal zwei­fel­haf­ter Form) oder die Lieb­lings­knei­pe von befreun­de­ten Künst­lern als typi­sche Aus­stel­lungs­or­te jen­seits von Muse­en dien­ten, wer­den jetzt auch Restau­rants, Bars, Shops oder gan­ze Stadt­vier­tel als Prä­sen­ta­ti­ons­flä­che genutzt. In Star­koch Tim Rau­es Restau­rant Sra Bua etwa defi­nie­ren neben wei­chen Velours-Bän­ken und Rie­sen-Bon­sais vor allem asia­ti­sche Foto­gra­fi­en den Stil.

Der Ster­ne­koch ent­schied sich für 24 hand­si­gnier­te Wer­ke der Kunst­ga­le­rie Lumas (mehr dazu unten), die mit dem Foto­la­bor White Wall in Fre­chen zusam­men­ar­bei­ten. „Kunst soll­te inspi­rie­ren und neue Blick­win­kel öff­nen. Für mich muss sie direkt funk­tio­nie­ren, des­halb mag ich Foto­gra­fi­en. In den aus­ge­wähl­ten Moti­ven kann ich mei­ne Lie­be zu Asi­en wie­der­fin­den. Und so kön­nen auch unse­re Gäs­te nicht nur mit dem Gau­men, son­dern auch visu­ell den fer­nen Osten erfah­ren“, erläu­tert Tim Raue.

Ein ganzes Viertel Kunst

Ein äußerst unge­wöhn­li­che­rer Aus­stel­lungs­ort unter dem Titel „Dein Vier­tel. Dei­ne Lein­wand“ ist noch bis zum 07. August das Münch­ner Sze­ne­vier­tel um den Gärt­ner­platz. Hier wer­den selbst Bril­len­ge­schäf­te oder Mode­bou­ti­quen zu Gale­ri­en, Häu­ser­fas­sa­den zu Lein­wän­den und Bars zu Instal­la­ti­ons­flä­chen. Von Graf­fi­tis inter­na­tio­na­ler Grö­ßen über Foto­gra­fi­en, Instal­la­tio­nen oder abs­trak­ten Gemäl­den von loka­len Künst­lern bis hin zu 28 Ver­an­stal­tun­gen wie Per­for­man­ces und Kon­zer­ten. So ver­wan­delt die Krea­ti­vagen­tur david + mar­tin unter­stützt von Red­bull das gan­ze Vier­tel zu einer rie­si­gen Galerie.

Unse­re Hei­mat, das Gärt­ner­platz­vier­tel, hat eine lan­ge Kunst-His­to­rie. Zuletzt war das Vier­tel aber statt für Kunst und Krea­ti­vi­tät nur noch auf­grund sei­ner stän­dig stei­gen­den Miet­prei­se und der unzäh­li­gen Neu­bau­pro­jek­te im Gespräch. Dage­gen woll­ten wir mit Dein Vier­tel. Dei­ne Stadt etwas tun“, so David Ste­phan. Ziel ist, das Pilot­pro­jekt auch in ande­ren deut­schen Städ­ten umzusetzen.

Kunst-deinviertel-deineleinwand-Tengelmann-HNRX_www.decohome.de
Das Mar­ken­zei­chen von HNRX? Food Graf­fi­ti! Hier zu sehen an der Tengelmann-Fassade.
Kunst-deinviertel-deineleinwand-Chichi_Max Zorn_www.decohome.de
Der Hol­län­der Max Zorn arbei­tet mit unge­wöhn­li­chem Mate­ri­al: Kle­be­band! Die Tape Art gibt’s in der Bar Chi­chi zu sehen.
Kunst-deinviertel-deineleinwand-Sebastian Wandl-www.decohome.de
Selbst ist der Künst­ler: Sebas­ti­an Wandl bringt sei­ne Wer­ke in der ehe­ma­li­gen Klen­ze Apo­the­ke an.
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Seit 1992 prägt Street-Art Künst­ler L.E.T. das Stra­ßen­bild in Düs­sel­dorf und jetzt den Münch­ner Shop Rocket.
Kunst-deinviertel-deineleinwand-Galerie Artig-Betty -www.decohome.de
Vol­les Haus bei der Licht- und Pro­jekt­kunst von Bet­ty Mü in der Gale­rie art:ig.

 

Know how mit Kunst-Guide

Um Kunst zu sam­meln, muss man nicht mehr zu den 2325 Super­rei­chen der Welt gehö­ren. Natür­lich ist das rich­ti­ge Klein­geld immer hilf­reich, doch auch die rich­ti­gen Insi­der-Tricks las­sen die eige­ne Samm­lung wach­sen. Die­se fin­det man unter ande­rem im Buch des Samm­lers Erling Kag­ge. In „A poor collector’s gui­de to buy­ing gre­at art“ (29,90 Euro, Gestal­ten Ver­lag) erzählt der Nor­we­ger, wie er sein ers­tes Kunst­werk mit einer Fla­sche Wein bezahl­te, gibt Ein­bli­cke in die Kunst­welt und ihre Bewoh­ner, legt eige­ne Feh­ler offen und ver­rät nütz­li­che Tipps für Begin­ner. Der wohl wich­tigs­te: Ein­fach anfangen!

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Moderne Kunstportale

Die Idee, Kunst für jeden zugäng­lich zu machen, hat sich vor allem durch neue Por­ta­le wei­ter­ent­wi­ckelt. Die Aus­wahl der Wer­ke ist viel­sei­tig, die Prei­se bezahl­bar. Nahe­ma Meh­tha, Mit­grün­de­rin der neu­en Kunst­platt­form Abso­lut Art, for­mu­liert äußerst pas­send: „Men­schen sol­len sich inspi­riert füh­len, ihre Wän­de mit Kunst zu fül­len. Die­se Erfah­rung soll berei­chernd und nicht ein­schüch­ternd oder frus­trie­rend sein!“

Zum Abschluss eine klei­ne Aus­wahl ver­schie­de­ner Por­ta­le, die sich eine Demo­kra­ti­sie­rung der Kunst zur Auf­ga­be gemacht haben:

  • Lumas – Unter dem Mot­to „The Libe­ra­ti­on of Art“ bie­tet die moder­ne Gale­rie Ori­gi­na­le ver­schie­de­ner Foto-Künst­ler. Die Edi­tio­nen umfas­sen in der Regel 75 bis 150 Exemplare.
  • Abso­lut Art – Die Online­platt­form bie­tet Wer­ke von bekann­ten und auf­stre­ben­den Künst­lern in Form von gerahm­ten Kunst­dru­cken. Die Stück­zah­len sind von 5 bis 200 limitiert.
  • Cur­art – Das Por­tal bie­tet Jung­künst­lern die Mög­lich­keit, ihre Arbei­ten einem brei­ten Publi­kum zu prä­sen­tie­ren. Dank der erschwing­li­chen Prei­se auch ide­al für Neu-Samm­ler. Jedes Werk ist auf 50 Stück pro Grö­ße begrenzt.
  • Wydr – Hier kann Kunst per kos­ten­frei­er App gekauft wer­den. Auf­ge­nom­men wird jeder Künst­ler, der sei­ne Bil­der ver­kau­fen möch­te. Den Machern der App zufol­ge hat jede Kunst es ver­dient der Welt gezeigt zu wer­den. Die Hand­ha­bung ist übri­gens ganz ein­fach: nach links wischen wenns nicht gefällt, nach rechts, wenn doch. Wir haben’s getes­tet und: we like!
  • Kunstkopie.de – Bereits seit 1999 fin­den sich hier Kunst­dru­cke von allen Künst­lern aus allen Epo­chen. Neben Lein­wän­den kön­nen hier auch Schrank­tü­ren, Para­vents oder Tape­ten bedruckt werden.
demokratisierung-der-kunst-Lumas_plane_06_15_24c © Thomas Eigel, www.decohome.de
Foto­gra­fie „plane_06_15_24c“ © Tho­mas Eigel über Lumas.
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„Future Head No. 3“ von Andre­as Eme­ni­us bei Abso­lut Art.

 

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Art-Print „Piu Piu“ von Jör­dis Hirsch über Cur­art.
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Ölge­mäl­de „Tulip“ von Alex­an­dra Mel­ni­ko­va gibt’s bei Wydr.
demokratisierung-der-kunst-Kunstkopie_de_Kunst-auf_Paravent-www.decohome.de
Bei Kunstkopie.de gibt es Gemäl­de auch mal als Paravent.
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