Britisches Luxushandwerk oder der Inbegriff von „Homemade“
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Spektakulärer Besuch beim britischen Leuchten- und Möbelhersteller Porta Romana, wo die kostbaren Stücke noch von Hand entstehen. Warum meditatives Pinseln und archaisches Hämmern alles besser macht.

Also machten wir uns auf, zu erkunden, was genau diese Leuchten und Möbel so besonders macht. Die Reise führt uns zum Örtchen Farnham, von London aus eine saftig grüne Zugstunde durch Rosamunde Pilcher ähnliche Countryside. Das Schild, das den Anfang eines schmalen Asphaltwegs durch ungemähte Pferdekoppeln markiert, erscheint wie der Wegweiser zu einer Hochzeitslocation. Wo bitte geht’s hier zum harten Produktionsalltag? Männer, Maschinen, Schweiß? Wie sich herausstellen soll, werden wir nichts davon finden. Zumindest nicht hier.

Am Ende des Weges wartet die würdevoll gealterte Holzfassade einer ehemaligen Farm, seit zehn Jahren Headquarter von Porta Romana. Und als man meint, es kann nicht mehr kitschiger kommen, betreten wir die untere Etage: das Reich der Pinselkünstlerinnen. Fünfzehn meist junge, gut aussehende Frauen scharen sich in einem lichtdurchfluteten Raum um große Tische. Goldstaub und Silberfetzen gleiten durch die Luft, wie Lindenblätter nach einem frühen Frost.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Pinselkünstlerinnen

Jede hat ein anderes Stück Leuchte, Spiegel oder Tisch vor sich. Doch was sie auch tun, sie tun es pinselnd. Goldblatt, Silber, Farbe, Metallspray-Grundierung, Lacke, Wachs, Acryl-Firnis und diverse geheime Rezepturen werden Schicht um Schicht mit Bedacht aufgetragen. Und in einer derart meditativen Ruhe, dass selbst der unbeteiligte Betrachter Gefahr läuft, sich in der ewig gleichen Bewegung zu verlieren.

Alle Kunsthandwerkerinnen haben einen studierten Hintergrund und arbeiten mehr als vier Jahre in dem Unternehmen, nicht wenige noch sehr viel länger. Spitzenreiterin Claire, seit 17 Jahren dabei, haut bester Laune und leicht mafiös heraus: „Bist du einmal Teil der Familie, kannst du nicht mehr gehen.“ Doch wo kommen die ganzen Einzelteile her, die hier so kunstvoll bepinselt werden?

 
 
 
 
 
 
 

Der Handwerker

Eine weitere halbe Stunde Fahrt durch noch abenteuerliche Tiefen britischen Landlebens später finden wir endlich das, was wir erwartet haben. Oder noch viel mehr: Tom Harral, Schmied, Schweißer, Künstler, lehnt über einem Stück Metall, das unter dem Lötkolben in seiner Hand blassbläulich leuchtet, wie das magische Kraftfeld eines Zauberers in zweitrangigen Hollywoodschinken. Nur hier beeindruckt es wirklich. Sein Arbeitsplatz, eine Art wellblechene Scheune, wirkt wie ein ausrangierter Flugzeughangar und ist mit so vielen Werkzeugen, Rohstücken und sonstigem Unrat vollgestopft, dass man sich fragen muss: Kann er das wirklich alles brauchen können?

Schade nur, dass wir für den Ofen hinter ihm einen Tag zu spät dran sind: brennt immer nur mittwochs. Unter anderem um die „Bananas“ zu formen, wie Tom die Einzelteile von Tisch „Miro“ liebevoll nennt. Allein für die kleine Version braucht er insgesamt 36 der metallenen Halbmonde, was drei Mitarbeiter sechs Stunden lang beschäftigt. Nach dem Biegen wird ihre Oberfläche unregelmäßig beschlagen und schließlich noch einmal vier Stunden lang zusammenfügt, bevor das Tischgestell die Reise ins Headquarter antritt, wo die Pinsel schon wedeln.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Der Abschied

Das Ende des Tages, markiert auch das Ende unserer Reise. Wir danken unseren Komplizen bei Porta Romana für das Öffnen ihrer Türen – in Tom Harrals Fall metaphorisch gesprochen, wegen der manifesten Abwesenheit einer solchen. Ebenso den Fotografen Olly und Kris von CliQQ Photography für ihre wie immer unkomplizierte und geradezu poetische Arbeit.

Das Team des Tages in der britischen Countryside (von links): Kris Myerscough (Fotoassistent), Christina Pearce (Redakteurin DECO HOME), Anna Edwards (Marketing Manager Porta Romana), Tom Harral, Klaus Winkler (Verlagsleiter Winkler Medien Verlag) und Oliver Suckling (Fotograf)

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Mehr Infos: www.portaromana.co.uk / www.cliqq.co.uk

 

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