Material Girl

Ten­ta­kel­we­sen aus 2100 Meter Stoff, Kron­leuch­ter aus Tam­pons oder ein Sti­let­to aus Töp­fen und Pfan­nen: Instal­la­ti­ons­küns­ter­lin Joana Vascon­ce­los ist bekannt für den durch und durch unkon­ven­tio­nel­len Gebrauch ihrer Mate­ria­li­en. In einer neu­en Aus­stel­lung dür­fen wir die Por­tu­gie­sin und ihre Reflek­tio­nen über das Weib­li­che nun näher kennenlernen.

Ein an eine über­di­men­sio­nier­te Qual­le erin­nern­des Wesen in grel­len Far­ben schwebt über den Köp­fen der Besu­cher: Für das Mas­ter­pie­ce der Aus­stel­lung „Tex­tures of Life“ kamen 2100 Meter Stoff zum Ein­satz. Die ten­ta­kel­ar­ti­gen Arme mäan­dern durch die Ein­gangs­hal­le des Kunst­mu­se­ums ARoS im däni­schen Aar­hus. Noch bis zum 19. Febru­ar 2017 sind die außer­ge­wöhn­li­chen und teils sehr tex­ti­len Wer­ke der por­tu­gie­si­schen Küns­ter­lin Joana Vascon­ce­los in einer Ein­zel­aus­stel­lung zu sehen.

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An die Nadeln, fertig, los …

Hier wird genäht, gehä­kelt und gestickt was Faden, Garn und Wol­le her­ge­ben. Joana Vascon­ce­los gehört zu den bekann­tes­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­le­rin­nen Por­tu­gals. In ihren Instal­la­tio­nen drückt sie sich ger­ne tex­til aus und wid­met sich dem Weib­li­chen als sozia­les, wie auch als poli­ti­sches Phä­no­men. All­täg­li­che Gegen­stän­de sowie amor­phe For­men über­zieht sie detail­reich ver­ziert mit Stof­fen, Sti­cke­rei­en oder Häkel­be­zü­gen. Auch ande­re typisch por­tu­gie­si­sche Hand­werks­ma­te­ria­li­en wie Flie­sen und Kacheln fin­den in ihren Arbei­ten Verwendung.

Alles eine Frage des Materials

Gene­rell reicht das Reper­toire ihrer Arbeits­ma­te­ria­li­en jedoch weit über die her­kömm­lich bekann­ten hin­aus. Oft­mals erschlie­ßen sich Mate­ri­al und the­ma­ti­scher Bezug erst beim zwei­ten Hin­se­hen. So bei­spiels­wei­se bei einem Kron­leuch­ter, der aus 14.000 Tam­pons besteht und 2005 ihren inter­na­tio­na­len Durch­bruch auf der Bien­na­le in Vene­dig mar­kier­te. Er rückt ins Licht, was sonst tun­lichst ver­bor­gen bleibt. Auch ihr aus Töp­fen und Pfan­nen geform­ter, über­di­men­sio­nier­ter Sti­let­to oder ein mit Fla­ming­of­edern umhüll­ter Hub­schrau­ber machen mit Augen­zwin­kern auf die viel­schich­ti­gen weib­li­chen Bil­der, Rol­len, Auf­ga­ben in unse­rer Gesell­schaft aufmerksam.

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Für ihre der­zeit in Aar­hus lau­fen­de Schau wid­met sich die 1971 gebo­re­ne Krea­ti­ve dem häus­li­chen Reich ihrer Art­ge­nos­sin­nen. Mas­ter­pie­ce der Aus­stel­lung, die ins­ge­samt 17 ihrer über­di­men­sio­nier­ten wie far­ben­fro­hen Instal­la­tio­nen zeigt, ist das Ten­ta­kel­we­sen „Val­ky­rie Rán“ in der Ein­gangs­hal­le. Der Name stammt von einer See­göt­tin aus der nord­ger­ma­ni­schen Mythologie.

Mit 2100 Meter Stoff unter­stütz­te das sonst vor allem für sei­ne Funk­ti­ons­stof­fe mit Desi­gn­an­spruch bekann­te däni­sche Textilla­bel Kva­drat die­ses Werk. Das impo­san­te 50 Meter lan­ge Objekt zeigt 549 Dessins in diver­sen Farb­va­ri­an­ten, erhebt sich über alle acht Stock­wer­ke des Kunst­mu­se­ums Aar­hus und war jede Men­ge Arbeit:

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Farbenfrohe Grüße aus der Zukunft

Joana Vascon­ce­los sagt von sich selbst, sie stam­me aus der Zukunft. Indem sie nor­di­sche Mytho­lo­gie, desi­gnori­en­tier­te Stof­fe und por­tu­gie­si­sche Hand­werks­kunst ver­eint, will die Künst­le­rin Drei­di­men­sio­na­li­tät nicht nur räum­lich, son­dern auch als geo­gra­fisch grenz­über­grei­fen­de Ver­bin­dung ver­stan­den wis­sen. Was das genau bedeu­tet, ver­steht erst, wer es selbst gese­hen hat.

www.joanavasconcelos.com

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